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Quartett vom Ende der Zeit

Wann:

Mi 13. Feb 2019, 20:00

Wo: Pfarrzentrum, Schweizer Straße 3, Altach, Feldkirch

Altersbeschränkung: Alle Altersklassen

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Eingetragen von: wf84

Musik des Himmels wider Grauen und Terror

Mit dem Pianisten Yunus Kaya, der Klarinettistin Sandra Schmid und den Streichern Matthias Johansen und Joachim Tschann haben die Altacher Orgelsoireen MusikerInnen ersten Ranges für ein epochemachendes und selten gespieltes Werk gewonnen. Das Konzert bildet den Höhepunkt der Veranstaltungs- und Ausstellungsserie „Die Lehre der Lager“ im Pfarrzentrum. Eine kurze Einführung um 19 Uhr ebnet den Zugang zu Olivier Messiaen (1908 – 1992), dem Komponisten und Lehrer, Organisten (an einer Pariser Kirche) und Ornithologen.

Quatuor pour la fin du temps

Am 15. Jänner 1941 führten vier kriegsgefangene Musiker im Stalag Görlitz, Schlesien, zum ersten Mal Olivier Messiaens „Quartett vom Ende der Zeit“ (Quatuor pour la fin du temps) auf. Einer davon war der Komponist selbst mit Holzgaloschen an den Füßen, in zerrissenem, grünem Rock - an einem Klavier, dessen Tasten manchmal stecken blieben. Die NS-Barbarei war am Höhepunkt ihrer Macht, als 400 Häftlinge („mit einer Aufmerksamkeit und einem Verständnis“, wie er es nie mehr erlebt habe, so der Komponist) durch die Musik die apokalyptische Verheißung vernahmen:

„Es wird keine Zeit mehr sein“ (Apk 10,6)

Jenseits von Schrecken, Lüge und Hunger liegt die Welt, in der Geist und Materie, Vertrauen, Wissen und Natur zusammengehören, ja, eins sind. Und der Ton, der Gehör findet, Wunder im All, nimmt sie vorweg.
Mit Trillern wie von einem Vogel hoch in Baumkronen beginnt die eigenartige Kammermusik aus dem Jahr 1940: Das Universum der Vogelklänge kündigt sich an, dessen Erforscher und Erschließer Messiaen, der Schüler von Debussy und Komponist der Oper „Franz von Assisi“, werden sollte; im dritten Satz wird das Instrument der Klarinette, was Atem- und Grifftechnik angeht, wie neu erfunden - um in den „Abgrund der Vögel“ (so die Satzbezeichnung) vorzudringen.
Zwischen zwei musikalischen Kometeneinschlägen spielen Klavier und Streicher die „kaum wahrnehmbaren Harmonien des Himmels“ (Messiaen). Ein kurzes Scherzo, wie eine Verzerrung von Märschen und Walzern, setzt das Elend der Zeit gegenwärtig. Dann kommt Jesus zu Wort, die Wende der Zeiten. Das „zärtliche“ (Messiaen), kräftige Cello leiht ihm die Stimme im fünften Satz, und im achten Satz gehen Violine und Klavier an die Grenzen des Hörbaren um dem gerecht zu werden, dessen Heimat bei aller Erdung in den Himmeln ist.
Dazwischen hören wir die vier Instrumente uniso statt der Trompeten, die in der biblischen Offenbarung das Ende der Zeit ankündigen; wobei das Doppelthema immer die gleiche bleibt, aber Tonhöhe und -länge und damit die Rhythmik sich auf atemberaubende Weise ändern; die Fülle der Variationen im Beständigen, Unveränderlichen klingt wie eine Antwort auf Nietzsches „ewige Wiederkehr des Gleichen“. Der Höhepunkt des Ganzen heißt „Regenbogengewimmel“. In den jubilierenden Ekstasen des Quartetts spiegeln sich wohl auch die „farbigen Träume“, die der Hunger beim Gefangenen Messiaen auslöste.

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