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Vernissage Julian Khol: Things to do am Samstag 08. April

Wann:

Sa 8. Apr 2017, 11:00–18:00
Sa 24. Jun 2017, 10:00–14:00

Wo: Galerie 2CforART, Rainerstraße 4, Stadt, Salzburg

Altersbeschränkung: Alle Altersklassen

Ticket-Information:

  • Eintritt: Kostenlos

Homepage:

Eingetragen von: Galerie 2CforART

Salzburg. Ab 08. April präsentiert Julian Khol unter dem selbstironischen Titel Things to do seine jüngsten Werkserien in der Galerie 2C for ART in Salzburg. Die Vernissage findet am Samstag, 08. April ab 11:00 Uhr statt. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Theoretisch und thematisch setzte sich Julian Khol in der jüngsten Vergangenheit mit Erkenntnissen der Neurowissenschaft auseinander. Erinnerungen und Augenblicke, die verschüttet geglaubt waren, trotzdem aber die Zukunft beeinflussen, liefern Julian Khol die Inspiration und Vorgaben für seine jüngsten Arbeiten, die er in drei Serien Human Planets, Memories of the Future und On the Tip of my Tongue präsentiert.

Alle drei Werkzyklen kreisen um Erlebnisse, Momente, Beziehungen, die Khol bewegen, und die er in poetischer Form auf den Bildträger, die Leinwand übersetzt. Der Schaffensprozess ist komplex. Ausgehend von einem Bild im Kopf, dass sich manifestiert hat und den Künstler fasziniert, beginnt die Auseinandersetzung mit der Frage nach der Übersetzung, dem Fertigen eines verständlichen Skriptums für den Malprozess, denn das Bild im Kopf wird nicht Eins zu Eins auf die Leinwand übertragen. Die Formfindung ist wichtig, um das Gedankenkonstrukt in eine Bildsprache zu transferieren. Der Grundgedanke wird in Form eines anderen Gegenstandes oder einer völlig neuen Farbfindung dargestellt.

Die Serie Human Planets zeigt dies pronociert und mit großer Bestimmtheit. Sie entstand in den letzten drei Monaten, im Zeitraum Dezember 2016 bis März 2017. Geschlossene Formen und starke Farben zeigen, dass Khol sein tiefstes Inneres durchforstet. So sind die Arbeiten eine Übersetzung seiner Gedanken zu Menschen, die ihn sein Leben lang begleiten, seine Partnerin, seine Kinder, die wie Planeten in der Umlaufbahn umeinander kreisen, sich anziehen, die Gesetze der Gravitation befolgen und somit auch wieder Triebmittel der Zeit sind. Der Kosmos löst die Form auf, die sich nahezu vom Grund abhebt. Die Leichtigkeit des Umkreisens der Planeten und die Spannung der Gravitation sind ausdrucksstark wiedergegeben.

On the Tip of my Tongue (Es liegt mir auf der Zunge) beschreibt den Prozess des Nicht-Greifen-Könnens. Khol fragt Zeitpunkte ab, die sich als sogenannte Engramme, in unser Gedächtnis einschreiben. Diese Reizeinwirkungen hinterlassen strukturelle Veränderungen im menschlichen Gehirn. Bedeutsame Augenblicke die Assoziationen hervorrufen, Gerüche, Landschaften, Momente, die auf Reisen einprägsam waren, oder auch die Bewegung der Pflanzen im Wind, die nicht mehr verortet oder zeitlich einordenbar sind, transportiert er als Idee und fertigt ein Abbild davon. Auf Kreidegrund malt er zarte Blumen. Die Pflanzen sind kaum greifbar, nah, aber behutsam und sacht in einen Schleier des beinahe Vergessenen gehüllt. Die Bewegung der Pflanzen im Wind ist als Bild gespeichert und als Übersetzung auf den Kreidegrund übertragen.

Ein wenig paradox klingt der Titel der dritten Serie Memories of the Future, der eine contradictio in adjecto, also einen unmittelbaren Widerspruch in sich, darstellt und uns zum Hinterfragen einlädt. Die Erinnerungen entsprechen nicht dem Sinn der Definition von Zukunft. Den Titel setzt Khol als rhetorisches Stilmittel ein. In dieser Serie versucht er Wahrnehmungsprozesse abzubilden, Erinnerungen zu wecken und auch zu erzeugen, die vielleicht verschüttet sind und die Zukunft mitbeeinflussen. Ganz klar, in schnellen und konkret gesetzten Strichen, setzen sich die gelben Pflanzenstile und farbig-zarten Blütenköpfe und Knospen vom nebulösen grauen Hintergrund ab. Im ersten Moment nicht thematisch verwandt ist diese Serie doch eine andere Übersetzung der Arbeiten aus On the Tip of my Tongue. Khol findet ein weiteres Sprachmodul, um das Dargestellte elegant als dynamische Erinnerung und Zukunftsvision zugleich zu malen.

Martina Pohn, März 2017