Diese Veranstaltung ist schon vorbei
LEO PESCHTA uncertain dimensions

Wann:

Fr 14. Jul 2017, 15:00–19:00
Sa 15. Jul 2017, 16:00–19:00
Mi 19. Jul 2017, 15:00–19:00
Do 20. Jul 2017, 15:00–19:00
Fr 21. Jul 2017, 15:00–19:00

Wo: Galerie Lisi Hämmerle, Anton-Schneiderstraße 4a, Bregenz

Altersbeschränkung: Alle Altersklassen

Ticket-Information:

  • Eintritt: Kostenlos

Eingetragen von: lisiel09

Eine Maschine ist eine Maschine, ist eine Maschine, ist eine Maschine
Wenn man glaubt, dass Roboter unbedingt nett und freundlich aussehen müssen und mit zwei Augen versehen wie verletzbare Kreaturen wirken, die dir zwar Arbeit abnehmen können, aber gleichzeitig suggerieren, dass sie am Liebsten eigentlich nur mit Dir in Kommunikation treten wollen, dann ist das nur eine Sicht auf Roboter. Eine sehr verklärte, mit tief verankerten Wünschen und Hoffnungen getragene Vorstellung, dass wir endlich jene menschenähnlichen Assistenten bekommen, die uns unser Leben erleichtern sollen und in denen wir uns wiederfinden. Autonom, also selbstbestimmend und selbstlernend dürfen sie schon sein, desto intelligenter und angepasster an uns, desto besser, aber den Knopf oder Click zum Ein- und Ausschalten wollen wir in unseren Händen haben.
Viel aufgeklärter ist die Herangehensweise von Leo Peschta. Und, ja, auch seine Maschinen und Automaten sind Roboter. Auch wenn seine Roboter so einiges können, wie Räume messen oder geolokale Datenabläufe in Bewegungen umzuwandeln, dann sind sie doch eindeutig Automaten. Und gerade diese puristische Orientierung an der Maschine selbst ist es, die Leo Peschta´s Arbeiten ausmachen. Ganz gegenteilig zu der verspielten anthropomorphen Ästhetik vieler seiner japanischen Kollegen, ist es Leo Peschta in seinen Arbeiten von außerordentlicher Wichtigkeit, die Maschine in ihrer Purheit zu präsentieren. Eine Maschine, ist eine Maschine, ist eine Maschine, könnte sein Credo sein. Es kommt einem vor, als wenn Peschta immer und immer wieder uns darauf hinweisen will, dass wir doch nicht so leichtfertig uns einreden lassen sollen, dass Maschinen menschenähnliche Lebewesen sein können oder werden sollen.
Hier kommt jedoch ein weiteres wichtiges Moment zum Tragen: der Roboter und seine Funktion. Sind Roboter meist an eine Tätigkeit gekoppelt, wie eine Unmenge an Autoteilen pro Tag zu lackieren, eine erkrankte Person unbeschwert hochzuheben, Pakete in den Lagerhallen der Konsumgiganten 24 Stunden lang zu managen oder uns im Alltag zu assistieren; dann sind die Roboter von Peschta anscheinend unnütze Weggefährten, die „nur“ spielen: Sie „zermessen“ Räume, um im selben Moment die gesammelten Daten auch gleich wieder wegzuschmeißen. Sie visualisieren als gefährlich anmutendes, sich drehendes Maschinenkonstrukt unsere zurückgelegten Bewegungen und Wegstrecken im Alltag. Warum? Viele Roboter können doch mittlerweile jede menschliche Bewegung über künstliche Gelenke und neueste Motoren in scheinbar jugendlicher Geschmeidigkeit imitieren? Aber es wäre kein Peschta, würde auch hier nicht die Kritik viel tiefer sitzen, denn seine Roboter genügen sich selbst. Er baut Maschinen den Maschinen wegen und nicht den Menschen wegen. Es ist ihm nicht wichtig, dass seine Maschinen uns helfen, er reflektiert Maschinen nicht in Bezug zum Menschen. Seine Roboter haben zwar Bezug zu uns, zu unserer Welt, genügen sich jedoch selbst. Unsere menschliche Fokussierung auf Nutzen (der Roboter kann viel besser meine Oma aus dem Bett heben als ich) und Gewinn (der Roboter kann 24 Stunden im Lager arbeiten und wird nicht müde) wird in all den künstlerischen Arbeiten von Peschta gehörig auf den Kopf gestellt. Er hinterfragt die ökonomischen und politischen Orientierungen hinter unseren Wunschmaschinen der Zukunft. Denn – wie gesagt – eine Maschine ist eine Maschine und viel wichtiger wäre zu fragen: was haben wir vor mit den zukünftigen Illusionswerkzeugen und wer bestimmt diese Agenda?

Manuela Naveau
www.manuelanaveau.at